Virtuelle Realitäts-Expositionstherapie in der Behandlung von Angststörungen
Virtuelle Realität bezeichnet eine digital erzeugte dreidimensionale Umgebung, die über spezielle Brillen dargestellt und erlebbar wird. Die Nutzer:innen können sich darin bewegen, wobei die dargestellten Inhalte dynamisch an ihre Perspektive angepasst werden.
Hintergrund
Expositionstherapie gilt laut internationalen Leitlinien als eine der wirksamsten Methoden zur Behandlung von Phobien.
Dabei setzen sich Patient:innen gezielt angstauslösenden Situationen aus, anstatt diese zu vermeiden. In der Praxis ist dies jedoch häufig schwierig oder nicht realisierbar, da die Angstbelastung zu hoch ist.
Hier setzt VR-Technologie an: Patient:innen können sich wiederholt in einer sicheren, kontrollierten Umgebung angstauslösenden Situationen aussetzen. Therapeut:innen können den Schwierigkeitsgrad anpassen und den Therapieverlauf gezielt begleiten.
Diese Methoden, bekannt als Virtual Reality Exposure Therapy (VRET), wird seit mehreren Jahren erfolgreich in der Behandlung von Angststörungen eingesetzt.
Forschung
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 (van Loenen et al.) mit 16 Studien und insgesamt 817 Teilnehmenden bestätigt die Wirksamkeit von VR-Therapie bei verschiedenen Angststörungen, darunter Panikstörungen, generalisierte Angststörung und soziale Phobien.
Produkt und Partner
In unseren Einrichtungen kommt das VR Coach Smart System zum Einsatz. Es bietet interaktive VR-Szenarien sowie 360°-Filme und eine Therapeutensoftware die es ermöglicht:
- Die VR-Erfahrung der Patient:innen live mitzuverfolgen
- Aktiv in die Inhalte einzugreifen
- Zusätzliche Elemente (z.B. sprechende Avatare) zur schrittweisen Intensivierung einzubinden
Zielsetzung und Zielgruppe
Ziel ist es, Expositionstherapie als wirksame Behandlungsoption breiter zugänglich zu machen.
Da Expositionstherapie zeit- und personalintensiv ist, wird sie bislang zu selten eingesetzt. VR-gestützte Therapie bietet hier eine effektive und resourcenschonende Alternative.
Grundsätzlich ist die VR-Therapie für Patient:innen mit Angststörungen geeignet, jedoch wird die individuelle Eignung durch Therapeut:innen geprüft.
Innovationsaspekt
- Systematische Auseinandersetzung mit Ängsten in einer kontrollierten, individualisierbaren Umgebung
- Erhöhte Motivation und Therapiebeteiligung sowie Entlastung der Behandlungsteams
Pilotierung
Das Projekt wird von Patient:innen sowie Therapeutenteams sehr positiv bewertet:
- 100% der befragten Patient:innen würden die VR-Therapie weiterempfehlen
- Über 80% wünschen eine Fortführung der Behandlung
- Fachtherapeut:innen empfehlen die Integration als Standardtherapie